Etwa 80.000 Jugendliche außerhalb jeglicher Hilfesysteme. Experten fordern eine neue Jugendpolitik

Die Jugendpolitik der vergangenen Jahre war in erster Linie durch Sanktionen und Misstrauen geprägt“, so eine Aussage von Professor Dr.  Wolfgang Schröer von der Universität Hildesheim am Rande der Fachtagung der Evangelischen Jugendsozialarbeit (ejsa) am 7.5.2018 in Nürnberg. Auch sagte der Experte. „Sie beteiligt Jugendliche nicht, und stellt ihnen auch keine Räume zur Verfügung, um die Jugend als eigenständige Lebensphase zu gestalten.“ Vielmehr sei Politik von der Sorge getrieben, Jugendliche könnten den Erwartungen des Berufslebens nicht gerecht werden, und reagiere darauf mit Druck. weiterlesen

Professor Schröer, Mitglied der Sachverständigenkommission zum 15. Kinder – und Jugendbericht, machte deutlich, dass eine grundsätzliche jugendpolitische Neupositionierung der Politik und Gesellschaft notwendig sei, um Jugendsein heute angemessen zu ermöglichen. „Junge Menschen sollen mehr Anerkennung und Unterstützung erfahren. Mir geht es darum, die Lebensphase ‚Jugend‘ in den Blick zu nehmen und fundierte Vorschlägen auszuarbeiten, wie die Rahmenbedingungen für die Persönlichkeitsentwicklung, Bildung und Förderung junger Menschen verbessert werden können“, so die Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig zum Auftakt der Erstellung des Kinder- und Jugendberichts.

Für benachteiligte junge Menschen in Bayern gilt das Gleiche: Es ist notwendig, von den jungen Menschen her zu denken und daraus jugendgerechte Angebote zu entwickeln – im Ganztag, in JaS, in der Arbeitsweltbezogenen Jugendsozialarbeit, in den Angeboten für junge Menschen mit Migrationshintergrund und Fluchterfahrung. Für alle gilt: Sie sind in erster Linie Jugendliche und junge Erwachsene mit eigenen Bedarfen, die sich nicht nur an der Logik der Erwachsenenwelt messen lassen darf.

Prof. Dr. Wolfgang Schroer

Für alle jungen Menschen soll es möglich sein, die Kernherausforderungen des Jugendalters gut zu meistern:

  • Qualifizierung (allgemeinbildende, soziale und berufliche Handlungsfähigkeiten entwickeln)
  • Selbstpositionierung (eine Balance zwischen subjektiver Freiheit und  sozialer Zugehörigkeit ausbilden)
  • Verselbständigung (Übernahme soziokultureller, ökonomischer und politischer Verantwortung)

Dafür ist es notwendig, die schon bestehenden Angebote der Jugendsozialarbeit abzusichern und in allen Bereichen auszubauen – damit sie über die notwendigen Kompetenzen verfügen für ein erfolgreiches und erfülltes Leben und den Beitrag zu einer gut funktionierende Gesellschaft erbringen können (OECD).

Diese Anforderungen wurden in Gesprächen mit den jugendpolitischen Sprechern der CSU, Dr. Gerhard Hopp, der SPD,
Herbert Woerlein, Bündnis 90/die Grünen, Kerstin Celina, den Freien Wählern, Gabi Schmidt erörtert und durch die Landesreferenten der ejsa Bayern e.V. Deane Heumann (SJS), Burkhardt Wagner (MJS), Katja Schäfer (BBJH) und Johannes Scholz-Adam (gpj) auf den Punkt gebracht.

Dies gilt es in den kommenden Monaten – und darüber hinaus – politisch zu platzieren und den gesellschaftlichen Nutzen deutlich herauszustellen.