MIGRATIONSBEZOGENE JUGENDSOZIALARBEIT- und Ausländerbestandszahlen für 2016 steigen weiter an trotz abnehmender Flüchtlingszahlen

Ausbau der Jugendmigrationsdienste in Bayern so notwendig wie noch nie!

Nach den aktuell veröffentlichten Zahlen des Statistischen Bundesamtes waren zum Jahresende 2016 im Ausländerzentralregister (AZR) bundesweit ca. 10 Millionen Menschen mit ausschließlich ausländischer Staatsangehörigkeit erfasst. „Das ist die höchste jemals in Deutschland registrierte Zahl seit der Errichtung des AZR im Jahr 1967. Seit 2014, das heißt in den Jahren 2015 und 2016, hat die Zahl der Ausländerinnen und Ausländer um 1,886 Millionen zugenommen (+ 23,1 %).
In Bayern zogen demnach im Jahr 2016 392.345 Ausländer aus dem In- und Ausland zu. 2015 waren dies noch 368.482 Menschen. Die Ausländerbestandszahlen stiegen von 1,577 Mio. (2015) auf 1,717 Mio. (2016) Menschen in Bayern. Damit belegt Bayern im bundesweiten Ranking Platz 2. Die aktuellen Zahlen des statistischen Bundesamtes bieten neben dem Überblick zu den Entwicklungen in Bund und Ländern ebenso Detailauskünfte (siehe www.destatis.de )

Es kommen insbesondere junge Menschen
Angesichts dieser Entwicklungen und der damit weiterhin hohen Bedarfe insbesondere für benachteiligte junge Migrantinnen und Migranten fordert die Evangelische Jugendsozialarbeit Bayern – gemeinsam mit der LAG Jugendsozialarbeit und der Freien Wohlfahrtspflege – dringend den flächendeckenden und bedarfsgerechten Ausbau der Jugendmigrationsdienste – bundesweit und in Bayern. Denn aktuell belegt Bayern im Ländervergleich bei der Ausstattung mit Jugendmigrationsdiensten bundesweit Rang 16.
Der Bedarf ist angesichts dieser Zahlen weiterhin ungebrochen hoch, denn es kommen insbesondere junge Menschen nach Bayern, die in ihrer schulischen, beruflichen und gesellschaftlichen Integration hohe Beratungs- und Unterstützungsbedarfe haben. Auch fängt jetzt erst die große Integrationsleistung an: im Erlernen der deutschen Sprache, in die Schule, in die Entwicklung einer beruflichen Perspektive, in den Stadtteil, in den Verein, in eine eigene Wohnung, in der Weiterentwicklung ihrer Identität und der Identifikation mit der deutschen Gesellschaft…

Kapazitäts- und Belastungsgrenzen der Fachkräfte seit langem überschritten
Woher kommt das?

Hier einige Fakten dazu:

  • Anhaltend steigende Fallzahlen2011 – 2016: Vervierfachung der Beratungsfälle/ Verdopplung der Case Management-Fälle in den bayerischen JMD)
  • Stetig wachsende Komplexität der Beratungsarbeit und Zunahme von Multiproblemlagen
  • Schwierige soziale Verhältnisse vor Ort z.B. Wohnungsnot/ Unterbringungssituation
  • Lange Wartezeiten im JMD von bis zu vier Wochen für die jugendlichen Klient-/innen
  • Verkürzung der Dauer der Beratungsgespräche (vermehrt „schnelle“ Beratung, weniger intensive Einzelfallbegleitung im Case Management)
  • Starker Anstieg des Unterstützungsbedarfs für die Zielgruppe der ehemals unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge, die volljährig geworden sind, und damit aus der Zuständigkeit der Jugendhilfe fallen (care leaver)
  • Verdreifachung der (Jugend-)Integrationskurse bei nahezu gleichbleibenden JMD-Mitteln: Bedarfsgerechte sozialpädagogische Begleitung durch die JMD i.S. des § 45 AufenthG ist damit nicht mehr möglich.
  • Zunehmende Vielfalt der Herkunftsländer und Zielgruppen und der sich daraus ergebenden Fragestellungen (z.B. notwendige Rechtskenntnisse)
  • Weite Zugangswege in den nächst gelegenen JMD, insbesondere im ländlichen Bereich
  • Anforderungen an Netzwerkarbeit steigen (Interkulturelle Öffnung/ Sozialtraining/ Kurse Demokratiebildung, Wirtschaftsjunioren, Jugend stärken im Quartier)
  • Erhöhter Beratungs-, Fortbildungs- und Coachingbedarf von schulischen und gesellschaftlichen Akteuren im Rahmen der interkulturellen Sensibilisierung und Öffnung
  • Vermehrte Begleitung und Anleitung von Ehrenamtlichen in der Integrations- und Flüchtlingsarbeit („back office“)