Grundlagen der migrationsbezogene Jugendsozialarbeit

Hier finden Sie alle Informationen bezüglich unserer migrationsbezogene Jugendsozialarbeit.

Jugendmigrationsarbeit/ JMD - Zugewanderte junge Menschen mit erhöhtem Förderbedarf

Die Evangelische Jugendsozialarbeit Bayern engagiert sich – seit Jahren

Die ejsa Bayern hat die zugewanderten jungen Menschen, insbesondere die mit einem erhöhten Förderbedarf – nicht erst seit der aktuellen Flüchtlings- und Asyldiskussion – verstärkt im Blick. DIE „zugewanderten jungen Menschen“ gibt es allerdings nicht: Sie kommen aus den unterschiedlichsten Gründen wie z.B. Arbeitsaufnahme, aus Flucht- und Verfolgungsgründen, Familiennachzug oder – zusammenführung und Vieles andere mehr zu uns nach Bayern und sind eine damit sehr heterogene Gruppe mit den unterschiedlichsten Aufenthalts- und Teilhaberechten. Hierzu gehören junge Menschen aus den EU-Staaten durch Fachkräftezuwanderung, Kontingent- bzw. Resettlementflüchtlinge, junge Flüchtlinge in unterschiedlichen Aufenthaltsstati, unbegleitete Minderjährige (UM), unbegleitete junge Volljährige und viele Andere mehr. Neben Ein- und Zuwanderung hat die ejsa Bayern aber auch weitere Phänomene der Migration im Blick: Rassismus, Diskriminierung und gelingende Integrationskonzepte vor Ort. Alle Arbeitsfelder der Jugendsozialarbeit bieten diesen jungen Menschen – und vor allem denen mit erhöhtem Förderbedarf – vielfältige Angebote. Das Ziel der ejsa Bayern ist es, den zugewanderten jungen Menschen und den bereits länger hier Lebenden zukunftsfähige Startchancen zu eröffnen. Für die Mitarbeiter/innen der Jugendsozialarbeit stellen sich immer wieder neue Anforderungen. Durch qualifizierte Fortbildungen, die durch die ejsa Bayern seit 2012 angeboten werden, konnte zusätzliches Know-how im Bereich Recht, Traumatisierung und interkulturelle Sensibilisierung erworben werden. Integration von jungen zugewanderten Menschen mit erhöhtem Förderbedarf Allen jungen zugewanderten Menschen gemeinsam ist, dass sie sich in unserem Land eine Zukunft wünschen und möglichst schnell sozialen, schulischen oder beruflichen Anschluss finden wollen. Dieses „Anschlussfinden“ gelingt in Bayern vor allem Denjenigen besser, die aufgrund ihrer Berufsausbildung und ihrer Deutsch-Sprachkenntnisse bereits über gute Voraussetzungen verfügen. Doch diejenigen, die aufgrund
    • mangelnder Sprachkenntnisse,
    • nicht passgenauer oder mangelnder Schul- und Berufsabschlüsse,
    • traumatisierender Erfahrungen und Erlebnisse im Heimatland oder auf der Flucht,
    • dem Verlust von Familienmitgliedern
    • dem Verlust ihres gewohnten sozialen Umfeldes,
    • Erfahrungen von Alltagsrassismus und Diskriminierung,
    • mangelnder Bildungschancen oder
    • einem unsicheren aufenthaltsrechtlichen Status
erhöhte Förder- und Hilfebedarfe aufweisen, benötigen verstärkt individuelle Hilfen und Unterstützung für einen gelingenden Start: Eine Wohnung bekommen, eine Schule besuchen können, soziale, (asyl- u. ausländer-) rechtliche Unterstützung erhalten, eine Therapie beginnen können, Ausbildung starten, Freunde finden und Freizeit erleben, hier in Bayern ankommen und Perspekiven für ihr Leben entwickeln zu können…: Das sind die Themen, um die es den zugewanderten jungen Menschen in erster Linie geht. Genau hier setzt die Arbeit der Evangelischen Jugendsozialarbeit Bayern, im Besonderen die Arbeit des Landesreferates Jugendmigrationsarbeit und der Jugendmigrationsdienste vor Ort an! Denn die Jugendmigrationsdienste und die anderen Felder der Jugendsozialarbeit, die schulbezogene Jugendsozialarbeit und die berufsbezogene Jugendhilfe, sind für die Neuankommenden in Deutschland die erste Anlaufstelle für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene.
Der „erste Eindruck“ zählt!

Fachkonzept der „Evangelischen Jugendmigrationsarbeit“ der BAG EJSA erschienen

Die Frage, wie junge Menschen, die nach Deutschland einwandern, aufgenommen werden, muss in den nächsten Jahren zu einem zentralen Thema der Integrations- und Sozialpolitik werden. So steht es im Fazit des Fachkonzeptes der Evangelischen Jugendmigrationsarbeit der BAG EJSA, das kürzlich erschienen – und für acht Euro bei der BAG EJSA zu beziehen – ist.
Die BAG EJSA hebt hervor, dass migrationsbedingte Unterstützungsbedarfe für eine gelingende Integration junger Menschen mit Migrationshintergrund einer ständigen Überprüfung und Weiterentwicklung auf Grundlage wichtiger Qualitätsstandards bedürfen und bewährte Konzepte wie die der Jugendmigrationsdienste bedarfsgerecht auszubauen sind. Weiter heißt es: „Die in Einrichtungen der evangelischen Jugendsozialarbeit geleistete Arbeit für und mit jungen Menschen mit Migrationshintergrund ist eines der vielen Gesichter, in denen Deutschland sich diesen Menschen zeigt. Politik und öffentliche Verwaltung sollten gemeinsam mit den Trägern und Einrichtungen dafür Sorge tragen, dass der so vermittelte “erste“ Eindruck von Deutschland positiv ausfällt und zum Bleiben einlädt.“
Das Fachkonzept kann zum Preis von 8,- Euro zzgl. Versandkosten HIER bestellt werden.

Aufgaben der Jugendmigrationsdienste (JMD)

1. Individuelle Integrationsförderung mit Integrationsförderplanung und sozialpädagogischer Beratung

Die individuelle Integrationsförderung geht von einem ganzheitlichen Ansatz aus, der sich an den Ausgangslagen, Kompetenzen und Ressourcen junger Menschen mit Migrationshintergrund orientiert und der die erreichten Bildungsabschlüsse sowie die non-formalen und informell erworbenen Fähigkeiten und Fertigkeiten einbezieht.

Die individuelle Integrationsförderung erfolgt freiwillig und bedarfsorientiert, sowohl durch die Integrationsförderplanung mit dem Verfahren des Case Managements, als auch durch die sozialpädagogische Beratung.
Die Jugendmigrationsdienste beziehen das Umfeld der jungen Menschen (insbesondere die Eltern) in die Beratung und Begleitung ein und stimmen sich eng mit anderen relevanten Einrichtungen ab.

1.1 Integrationsförderplanung

Die Jugendmigrationsdienste beraten und begleiten junge Menschen mit Migrationshintergrund, die vorrangig nicht mehr vollzeitschulpflichtig sind und Unterstützung am Übergang Schule/Ausbildung/Beruf benötigen. Wenn Ressourcen vorhanden sind, können auch junge Menschen mit Migrationshintergrund vom 12. bis zur Vollendung des 27. Lebensjahres begleitet werden.
Die Integrationsförderplanung erfolgt mit dem Verfahren des Case Managements und ist ein auf längere Zeit angelegter, reflektierter und mit dem jungen Menschen gemeinsam erarbeiteter Prozess, der alle relevanten Personen und Institutionen einbezieht.
Case Management ist die intensive und langfristige, sozialpädagogische Einzelfallarbeit und die Begleitung der jungen Menschen über bestimmte Lebens- und Entwicklungsabschnitte sowie über einzelne Angebote hinweg. Es umfasst idealtypisch alle für die Integration erforderlichen Phasen von der Analyse der Lebenslage und der Feststellung der Kompetenzen über die Erarbeitung eines Integrationsförderplans bis hin zur gemeinsamen Auswertung nach Erreichen der Ziele.

1.2 Sozialpädagogische Beratung

Darüber hinaus werden im Rahmen der individuellen Integrationsförderung kurzfristig angelegte, sozialpädagogische Beratungs- und Unterstützungsmaßnahmen für die Zielgruppe angeboten. Hier werden z.B. die zuständigen Ansprechpersonen geklärt, und der junge Mensch wird an diese vermittelt (z.B. Integrationskurse). Einfache Unterstützungsleistungen werden von den Beratungsfachkräften selbst erbracht. Bei Bedarf werden andere Fachdienste hinzugezogen.
Zum Aufgabenbereich der Jugendmigrationsdienste gehört auch die Beratung junger Menschen bis zur Vollendung des 27. Lebensjahres vor, während und nach den Integrationskursen nach den §§ 43, 44 und 44a AufenthG.
Jugendmigrationsdienste, die Standort der Bildungsberatung Garantiefonds Hochschule sind, bieten darüber hinaus Beratung rund um die Sprachkurse auf der Grundlage der Richtlinien Garantiefonds Hochschule an.

2. Durchführung von Gruppenangeboten zur Unterstützung des Integrationsprozesses

Die individuelle Integrationsförderung der Jugendmigrationsdienste wird durch Gruppenangebote ergänzt. Die Gruppenarbeit ist ein Angebot der Jugendmigrationsdienste, das den jungen Menschen hilft, ihre Persönlichkeit zu entwickeln und ihre sozialen sowie interkulturellen Kompetenzen durch Gruppenerlebnisse zu steigern.
Thematisch können die durch den KJP geförderten Gruppenangebote beispielsweise gesellschaftlich-politische Themen, das Bildungs- und Ausbildungssystem, Sprache und Kommunikation, Informationstechnologien und Medien, Freiwilligenarbeit oder das Training sozialer Kompetenzen beinhalten.
Darüber hinaus können auch Gruppenangebote durchgeführt werden, die nicht durch den KJP, sondern anderweitig finanziert werden (kommunale, Landes-, Bundes- oder europäische Förderung sowie andere Fördermittel)

3. Elternarbeit in den Jugendmigrationsdiensten

Die Jugendmigrationsdienste unterstützen Eltern von jungen Menschen mit Migrationshintergrund durch Beratung zu den Bildungs- und Berufsbildungsbiographien ihrer Kinder sowie den Erwartungen und Anforderungen, die an die jungen Menschen und ihre Eltern in diesem Zusammenhang gestellt werden.

4. Förderung von freiwilligem und bürgerschaftlichem Engagement junger Menschen mit Migrationshintergrund

Freiwilliges und bürgerschaftliches Engagement von jungen Menschen mit Migrationshintergrund wird durch die Jugendmigrationsdienste gefördert, sichtbar gemacht und anerkannt.
Des Weiteren werden die Zielgruppen durch die Beratungsfachkräfte darin gestärkt, in allen Bereichen des sozialen, kulturellen und politischen Lebens zu partizipieren und ihre Rechte einzufordern.

5. Netzwerk- und Sozialraumarbeit

Wesentliche Voraussetzung für die Gestaltung der individuellen Integrationsförderung ist die aktive Beteiligung der Jugendmigrationsdienste an den Netzwerken ihres Zuständigkeitsbereiches. Als Angebot der Jugendsozialarbeit kooperieren sie mit allen relevanten Diensten und Einrichtungen und nehmen für die jungen Menschen mit Migrationshintergrund eine Anlauf-, Koordinierungs- und Vermittlungsfunktion wahr.

Die Jugendmigrationsdienste erstellen eine Angebotsanalyse für die Zielgruppe im Sozialraum und eine Netzwerkkarte, wirken in den einschlägigen Gremien mit oder rufen selbst zielgruppenspezifische Arbeitskreise ins Leben.
Ziel der Netzwerkarbeit ist die Aktivierung oder Koordinierung aller für die Integration junger Menschen mit Migrationshintergrund verantwortlichen Akteure und Angebote.

Der Zugang der jungen Menschen mit Migrationshintergrund zu den Jugendmigrationsdiensten soll auf der kommunalen Ebene verbindlich gestaltet werden. Dazu müssen die Jugendmigrationsdienste eng mit den zuständigen kommunalen Stellen, insbesondere den Ausländerbehörden und kommunalen Eingliederungsbehörden, mit Jobcentern und Grundsicherungsträgern, dem Jugendamt, den Schulen und Berufsschulen, den Standorten und Projekten der Initiative JUGEND STÄRKEN, der Migrationsberatung für erwachsene Zuwanderer (MBE) sowie mit Migrantenorganisationen und Ausländerbeiräten kooperieren.

6. Initiierung und Begleitung der interkulturellen Öffnung

Die Jugendmigrationsdienste setzen sich aktiv für die interkulturelle Öffnung aller für die Zielgruppe relevanten Dienste und Einrichtungen der sozialen Handlungsfelder in öffentlicher und freier Trägerschaft sowie der Netzwerkpartner ein. Bei Bedarf führen sie Informations- und Bildungsveranstaltungen durch oder organisieren interkulturelle Trainings. Sie stellen ihre Arbeit und die Anliegen junger Menschen mit Migrationshintergrund in der Öffentlichkeit dar, vertreten die Interessen der Zielgruppe, arbeiten mit Migrantenorganisationen zusammen und fördern den interkulturellen Dialog.

Quelle: Grundsätze zur Durchführung und Weiterentwicklung des Programms 18 im Kinder- und Jugendplan des Bundes (KJP) – Integration junger Menschen mit Migrationshintergrund vom 01.05.2014

Angebote der Beratungsarbeit in den JMD
  • Einzelfallberatung und Gruppenarbeit
  • Vermittlung von Hilfesuchenden an Fachdienste
  • Unterstützung anderer sozialer Dienste im Umgang mit Migrantinnen und Migranten
  • Orientierungshilfen und Integrationsmassnahmen
  • Unterstützung von Selbsthilfeeinrichtungen und bürgerschaftliches Engagement
  • Gemeinwesenarbeit
  • Entwicklung von regionalen Modellprojekten
  • Begegnung organisieren: kulturelle Veranstaltungen, interkulturelle Wochen
  • Informationsangebote zu Themen wie Fremdenfeindlichkeit, Einbürgerungsrecht, Migration, interkulturelles Lernen
  • Meditation / Vermittlung in Konfliktsituationen
  • Schülerseminare
  • Interkulturelle Trainings / Fortbildungen
  • Öffentlichkeitsarbeit
jmd4you-Team spezialisiert sich in der Online-Beratung

Seit Juli 2009 ist sie im Netz präsent – die Online-Beratungsplattform der Jugendmigrationsdienste. Hinter der Domain www.jmd4you.de verbirgt sich eine virtuelle Beratungsstelle. Hier können die Jugendliche mit Migrationshintergrund ihre speziellen Fragen stellen.

Bis dato haben sich knapp 300 Jugendliche auf der Homepage angemeldet, es ergaben sich weit mehr als 150 Beratungskontakte. Das Anliegen, mit dieser Plattform, überwiegend „Drittstaatsangehörige“ zu erreichen, ist bisher erreicht worden: ca. 65% der UserInnen gaben bei ihrer Registrierung an, dass sie aus so genannten Drittstaaten kamen.

30 JMD FachberaterInnen aus dem gesamten Bundesgebiet beteiligen sich an der Online-Beratungsarbeit der Jugendmigrationsdienste. Waren es zu Beginn des Projektes noch 20 FachberaterInnen, so stieg in diesem Jahr ihre Anzahl auf über 30. Genau diese FachberaterInnen trafen sich nun erneut in Speyer, um Rück- und Ausblick zu halten und sich auf die Forum-Beratung zu spezialisieren.

Themen des Treffens waren zum einen die Reflexion der bisherigen Projektarbeit und die Weiterbildung der FachberaterInnen und zum anderen wurden Strategien entwickelt, um das Projekt noch weiter bekannt zu machen.

Über das klassische Beratungsangebot hinaus bietet die Online-Plattform jmd4you seit September kurzem ein moderiertes Forum an, in dem sich die Jugendlichen auch untereinander austauschen können. In Rubriken wie „in der alten Heimat“, „Schule, Ausbildung, Beruf“, „in der Familie“ oder auch „Liebe, Partnerschaft und Heirat“ kann ohne den Druck einer klassischen Beratungssituation über alles diskutiert werden, was mit dem Leben in der neuen Heimat Deutschland zu tun hat.

Die Werbe-Postkarten mit der Aussage „Wir haben die Antwort!“ in den jeweiligen Sprachen (zunächst in Türkisch, Serbisch, Arabisch und Albanisch), sowie Online-Banner werden kostenlos zur Verfügung gestellt und können im Servicebüro Jugendmigrationsdienste bestellt werden.

Kontakt:
Özcan Ülger, BAG EJSA
Büro Bonn, Projekt- Integration durch Online-Beratung
Kennedyallee 105-107
53175 Bonn
Telefon: (0228) 95968-14
Mobil: 01520 1823957
e-Mail an Herrn Ülger