Bildung für Nachhaltige Entwicklung

Seit den beiden UN-Konferenzen in Rio 1992 und Johannesburg 2002 hat sich die klassische Umwelt- und Naturbildung zur Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) weiterentwickelt. BNE will das Leitbild der Nachhaltigkeit in den Köpfen und Herzen der Menschen verankern, um die globalen Herausforderungen wie Klimawandel, Artenverlust oder globale Gerechtigkeit zu meistern.

Ökonomie, Ökologie, Gesellschaft, Kultur

Bildung für nachhaltige Entwicklung ist ein Ansatz, der Menschen zu zukunftsfähigem Denken und Handeln befähigt. Ziel ist die Vermittlung von Grundlagen, die einen nachhaltigen, verantwortungsvollen Umgang mit der Natur und Ressourcen ermöglichen. Das heißt, globale Wirkungszusammenhänge werden im eigenen Lebensraum sichtbar und die komplexen wirtschaftlichen, ökologischen, sozialen und kulturellen Wechselwirkungen werden deutlich.

Das versetzt Menschen in die Lage, verantwortliche Entscheidungen für die Zukunft zu treffen und zu  verstehen, welche Folgen ihr Handeln für sie selbst und andere Menschen auch nachfolgender Generationen oder in anderen Weltregionen hat. Ziel der Bildung für Nachhaltige Entwicklung ist es, neben Wissen und  Werten auch ganz praktische Handlungsmöglichkeiten zu vermitteln. Sie ist auf eine Änderung des Verhaltens und einen nachhaltigen Lebensstil ausgerichtet.

Neben konkreten Inhalten einer nachhaltigen Lebensführung, sollen die Menschen die Kompetenz erlernen und sich Fähigkeiten und Werte aneignen, die sie befähigen, sich für eine nachhaltige Lebensführung einzusetzen.

Fähigkeiten der Gestaltungskompetenz

Zentrale Bedeutung dafür hat das Konzept der Gestaltungskompetenz, der von Gerhard de Haan entwickelt wurde. Darunter zu verstehen ist die Fähigkeit, Wissen über nachhaltige Entwicklung anwenden und Probleme nicht nachhaltiger Entwicklung erkennen zu können. Dabei werden diese Fähigkeiten gefördert:

  • Empathie für andere zeigen können
  • Gemeinsam mit anderen planen und handeln können
  • Interdisziplinär Erkenntnisse gewinnen und handeln
  • An kollektiven Entscheidungsprozessen teilhaben können
  • Die eigenen Leitbilder und die anderer reflektieren können
  • Sich und andere motivieren können, aktiv zu werden
  • Risiken, Gefahren und Unsicherheiten erkennen und abwägen können
  • Selbstständig planen und handeln können
  • Vorausschauend Entwicklungen analysieren und beurteilen können
  • Vorstellungen von Gerechtigkeit als Entscheidungs- und Handlungsgrundlage nutzen können
  • Weltoffen und neue Perspektiven integrierend Wissen aufbauen
  • Zielkonflikte bei der Reflexion über Handlungsstrategien berücksichtigen können

UN-Dekade und Weltaktionsprogramm

Die Vereinten Nationen haben im Herbst 2015 Ziele nachhaltiger Entwicklung formuliert: die sogenannten Sustainable Development Goals (SDGs). Dies ist eine globale Bildungsagenda für die Jahre 2016 bis 2030. In diesem Katalog sind  17 internationale Ziele für eine nachhaltige Entwicklung

formuliert  – auch Agenda 2030 genannt. Die Agenda schafft die Grundlage dafür, weltweiten wirtschaftlichen Fortschritt im Einklang mit sozialer Gerechtigkeit und im Rahmen der ökologischen Grenzen der Erde zu gestalten. Die Deutsche Version finden Sie unter folgendem Link http://www.bmz.de/de/ministerium/ziele/2030_agenda/index.html

Nachhaltige Entwicklung soll als Leitbild in allen Bildungsbereichen verankert werden. Um diese ehrgeizigen Ziele zu erreichen, hat die UNESCO Weltdekade „Bildung für nachhaltige Entwicklung“ (2005 bis 2014) ausgerufen als Folgeprogramm das Weltaktionsprogramm „Bildung für nachhaltige Entwicklung“ (2015 bis 2019).

Dekadeziel: Jugendliche sind in der Lage, sich Wissen und Werte anzueignen sowie Verhaltensweisen und Lebensstile zu erlernen, die für eine lebenswerte Zukunft und die Gestaltung einer Zukunftsfähigen Gesellschaft erforderlich sind. Die UN-Dekade BNE ging 2014 zu Ende

Das weltweit von den Vereinten Nationen ausgerufene Weltaktionsprogramm BNE (2015 bis 2019) hat die gleiche Zielrichtung, BNE weltweit zu implementieren und Nachhaltigkeit in den Strukturen der Bildungslandschaft zu verankern. Insofern eignet sich das Weltaktionsprogramm (WAP) als Impulsgeber für eine Weiterentwicklung des Ansatzes BNE in der Jugendsozialarbeit.

Das Projekt „Weltaktionsprogramm als Chance: Bildung für nachhaltige Entwicklung trifft Jugendsozialarbeit“ zielt auf vier der fünf identifizierten Handlungsfelder ab:

  • Ganzheitliche Transformation von Lern- und Lehrumgebungen
  • Kompetenzentwicklung bei Lehrenden und Multiplikatoren
  • Stärkung und Mobilisierung der Jugend
  • Förderung nachhaltiger Entwicklung auf lokaler Ebene