Brückenbauer – Soziale und berufliche Integration für junge Geflüchtete

Am 01.04.2016 starteten die ersten Brückenbauer-Projekte in Bayern. Die Projekte sind zusätzliche und die normale Arbeit der Jugendwerkstätten der Berufsbezogenen Jugendhilfe (BBJH) ergänzende integrative Angebote.
Zielgruppe sind unbegleitete und begleitete junge Geflüchtete, insbesondere auch die über 18-Jährigen. Diese Angebote richten sich damit primär an die jungen Geflüchteten, die in verschiedenen Unterbringungen wie Gemeinschaftsunterkünften (GU), dezentralen Unterbringungen, Not- und Übergangslösungen für UMF, Wohngruppen etc. leben. Bereits bestehende oder im Aufbau befindliche, lokale Angebote für junge Geflüchtete werden berücksichtigt und bei Bedarf eingebunden.
Es ist vorgesehen, die Arbeit der „Brückenbauer“ mit der Arbeit ehrenamtlicher Helferkreise in den Kirchengemeinden zu verzahnen. Die bereits eingesetzten ehrenamtlichen und hauptamtlichen Kräfte können dadurch entlastet und gleichzeitig fachspezifisch professionell unterstützt werden.

Ziele

Ziel ist es, den neu zugewanderten jungen Menschen in verschiedenen Unterbringungsformen durch die „Brückenbauer“ vor allem soziale und berufliche Orientierungs- und Integrationsangebote zu machen.
Die Angebote sollen sozial integrativ wirken, individuelle Begleitung anbieten, realistische Zukunftsperspektiven eröffnen und dadurch den sozialen Frieden nachhaltig sichern helfen.

Zielgruppe(n)

Das Angebot richtet sich schwerpunktmäßig und bewusst an diejenigen jungen Menschen, die eine „geringere“ Bleibeperspektive haben, aber dennoch aufgrund ihrer langjährigen Asylverfahren häufig viele Jahre in Deutschland bleiben. Diese haben ebenso schulische, berufliche und soziale Integrationsbedarfe wie junge Geflüchtete mit besserer Bleibeperspektive. Damit stehen insbesondere die jungen Menschen im Fokus, die von Angeboten der Arbeitsverwaltung wenig bis gar nicht erreicht werden und schulisch nicht oder unzureichend eingebunden sind.
Auch geht es darum, diesen jungen Menschen im Falle ihrer Rückführung und Abschiebung in ihr Herkunftsland eine größere Zukunftsperspektive zu eröffnen und damit nachhaltig Fluchtursachen (Perspektivlosigkeit/ mangelnde Bildung und Ausbildung etc.) zu bekämpfen.
Zu der o.g. Gruppe gehören ausdrücklich auch junge Menschen über 18 Jahren, die vielfach aus Angeboten der Jugendhilfe herausfallen bzw. erst gar nicht von ihnen erfasst werden.

Arbeitsweise

Die Brückenbauer setzen an den besonderen Bedarfen und Situationen der jungen Geflüchteten aufgrund von Herkunft, Sprache, Bildungsniveau, persönliche Belastungen etc. an und suchen – gemeinsam mit den Jugendlichen – nach individuellen Lösungen und Antworten.
Zentrale Schlüsselaspekte sind hierbei der aufsuchende Charakter, individuelle Unterstützung, Tagesstrukturierung, Sprachförderung und Heranführung an bzw. Berufsorientierung in der Arbeitswelt. Nach einem Clearingprozess – mit Erstorientierung und Kompetenzfeststellung – sollen die Brückenbauer – jenseits der „Verwertbarkeit“ auf dem Arbeitsmarkt oder ihrer Bleibeperspektive in Deutschland – gemeinsam mit den jungen Menschen individuelle und realistische berufliche und soziale Zukunftsperspektiven entwickeln, Unterstützung bei der Vermittlung in Ausbildung und Arbeit bieten und sie bei Bedarf dabei begleiten. Das neue Angebot der „Brückenbauer“ ist mit bestehenden Strukturen vor Ort vernetzt und setzt an den Schnittstellen der Arbeitsfeldern der Berufsbezogenen Jugendhilfe, der Jugendmigrationsdienste (JMD) und ggf. an schulbezogenen Jugendsozialarbeitsangeboten an.

Förderung

durch die Evangelische Landeskirche in Bayern/ Fachliche Begleitung durch die Evangelische Jugendsozialarbeit Bayern

Die Evangelische Landeskirche in Bayern finanziert aus Mitteln der „AG Herberge“ das Projekt Brückenbauer seit April 2016, zunächst befristet für zwei Jahre. Die fachliche Begleitung und Evaluation leistet die Evangelische Jugendsozialarbeit Bayern e.V.

 

Kontakt

Burkhardt Wagner
Landesreferat Migrationsbezogene Jugendsozialarbeit
ejsa Bayern e.V.
Loristr. 1
80335 München
Tel. 089/159187-74
email an Herrn Wagner

 

Wenn jungen Geflüchteten die Perspektive fehlt

ejsa Bayern startet zwei Brückenbauer-Projekte an zwei weiteren Standorten
Für manche junge Geflüchtete gibt es in Bayern vielfältige Angebote wie Sprachkurse, Maßnahmen der Arbeitsagentur oder Berufsintegrationsklassen an den Berufsschulen. Aber nicht alle jungen Geflüchteten haben Zugang zu diesen Angeboten, denn oft gibt es vor Ort keine oder nicht passende Angebote oder die jungen Geflüchteten fallen durch das Raster der Kategorisierung „hohe Bleibeperspektive“.
Sie leben teilweise schon mehrere Jahre hier. Sie lernten Deutsch und haben Freundschaften geknüpft. Sie sind hier angekommen und schauen in die Zukunft! Doch diese ist ungewiss;
vielfach für mehrere Jahre. Viele junge Geflüchtete aus Afghanistan haben derzeit auch große Angst vor ihrer Aufenthaltsbeendigung und Rückführung in das unsichere von Chaos und Krieg beherrschte Land. Die Möglichkeit, sich in dieser Zeit zu qualifizieren oder beruflich tätig zu sein, die es bisher für viele gab, wird inzwischen verwehrt. Die notwendige Beschäftigungserlaubnis, um eine Ausbildung zu beginnen oder um eine Arbeitserlaubnis weiter zu verlängern, wird mittlerweile in vielen Fällen abgelehnt. Immer mehr junge Geflüchtete merken, dass sie zu den „Unerwünschten“ gehören. Die Folge ist, dass diese jungen Menschen ohne Perspektive und ohne Beschäftigung ihre Tage in der Unterkunft verbringen. Kostbare Zeit verstreicht ungenutzt. Die Hoffnung und Motivation, mit der die jungen Menschen gekommen sind wird zu Perspektivlosigkeit und Angst.

Verantwortung für geflüchtete junge Menschen
Die Evangelische Jugendsozialarbeit Bayern bekennt sich aus ihrer christlichen Verantwortung heraus klar zu einem menschlichen Umgang mit allen jungen Geflüchteten und bietet insbesondere Denjenigen, die einen geringeren Zugang zu Teilhaberechten zu Bildung, Ausbildung und Arbeit haben, Unterstützung und Hilfen an.
In mittlerweile vier Jugendwerkstätten der berufsbezogenen Jugendhilfe (BBJH) in Augsburg, Fürth (neu dabei sind Kulmbach und Kulmbach) erproben die „Brückenbauer“ neue Methoden und Zugangswege. Fragen der konkreten Lebens- und Perspektivplanung, Angebote der Tagesstrukturierung und Freizeitgestaltung bis hin zur Entwicklung individueller Arbeits- und Ausbildungsperspektiven werden gemeinsam mit den jungen Menschen entwickelt. Das Brückenbauerprojekt der ejsa Bayern baut mit den jungen Menschen Brücken hinein in die Gesellschaft und in ihre Zukunft.
Das Projekt wird aus Mitteln der Evangelischen Landeskirche Bayern und teilweise aus Mitteln des Deutschen Hilfswerkes finanziert. Mit Hilfe des Instituts für Praxisforschung und Evaluation an der Evangelischen Hochschule Nürnberg unter Leitung von Prof. Dr. Joachim König wird evaluiert, inwiefern die angewendeten Methoden und Zugangswege auch auf andere Arbeitsfelder der Jugendsozialarbeit adaptiert werden können.
Klaus Umbach, Geschäftsführer der ejsa Bayern, ist überzeugt: „Es gibt viele junge Menschen, die gerade jetzt unsere Unterstützung benötigen. Wir kümmern uns besonders um diejenigen, deren Perspektiven nicht besonders gut sind. Evangelische Jugendsozialarbeit hilft mit, Chancen zu eröffnen!“

Hier finden Sie den aktuelle Flyer: Flyer Brückenbauer