Psychische Gesundheit bei Kindern und Jugendlichen in Bayern- unterschätztes Problem oder Modethema?

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Der Fachtag der Landesarbeitsgemeinschaft Jugendsozialarbeit Bayern am 15.11.2017 im Karl-Bröger-Zentrum in Nürnberg stellte vor allem die Zusammenhänge zwischen sozialer Lage und psychischer Erkrankung bei jungen Menschen in den Mittelpunkt. Die aktuelle Situation für Bayern schildert der Bericht zur psychischen Gesundheit bei Kindern und Jugendlichen, den das Bayerische Staatsministerium für Gesundheit und Pflege im Jahr 2016 veröffentlicht hat: So besteht für rund jedes 4. Kind in Bayern die Diagnose einer psychischen Störung bzw. einer Entwicklungsstörung. Je niedriger der Sozialstatus ist, in dem die jungen Menschen leben, desto höher ist das Risiko für psychische Auffälligkeiten (33,5 %).

Im Vergleich dazu sind Kinder und Jugendliche mit hohem Sozialstatus nur zu 9,8 % betroffen. Familienkonflikte, Gewalterfahrungen, geringes Bildungsniveau oder Suchterkrankungen in der Familie bzw. im sozialen Umfeld zählen zu den größten Risikofaktoren für psychische Störungen bei jungen Menschen. Depressionen, Essstörungen oder Entwicklungsstörungen können die Folge sein. Die soziale Unterstützung dieser Kinder und Jugendlichen ist von zentraler Bedeutung, um die Schutzfaktoren der psychischen Gesundheit zu stärken. Dazu gehören verlässliche Angebote und Bezugspersonen in den Versorgungssystemen – im Sinne eines Versorgungskontinuums. Die Belastungsfaktoren zu erkennen und mit geeigneten Maßnahmen präventiv zu wirken, ist eine zentrale Aufgabe an den Schnittstellen von Gesundheitssystem, Sozialpsychiatrie, Arbeitsmarktintegration und Jugendsozialarbeit.

Die LAG JSA öffnete mit diesem Fachtag rund 150 Expert*innen und Praktiker*innen ein Forum für Wissensaustausch und Vernetzung. „Für eine bessere Versorgung der betroffenen Kinder und Jugendlichen müssen wir eine gemeinsame Sprache finden und eine Anti-Stigmatisierung psychischer Erkrankungen erreichen“, forderte etwa Prof. Dr. Gerd Schulte-Körne (Direktor der Klinik und Poliklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie der Universität München). Link zum Artikel