„Was braucht Jugend?“ – Partizipative Forschung zur Weiterentwicklung der Berufsbezogenen Jugendhilfe
Die Berufsbezogene Jugendhilfe (BBJH) unterstützt junge Menschen, die beim Übergang von der Schule in Ausbildung und Beruf besondere Herausforderungen bewältigen müssen. Als sozialpädagogisches Angebot nach § 13 SGB VIII umfasst sie vielfältige Maßnahmen – von Beratung und Begleitung über Qualifizierungsangebote bis hin zu Jugendwerkstätten.
Ziel der BBJH ist es, individuelle Lebenssituationen zu stabilisieren, Integrationshemmnisse abzubauen und berufliche sowie soziale Perspektiven zu eröffnen. Ein zentraler Ansatz ist dabei die Stärkung von Selbstwirksamkeit und gesellschaftlicher Teilhabe.
Gleichzeitig verändern sich die Lebensrealitäten junger Menschen derzeit deutlich: Digitalisierung, Migration, zunehmende soziale Ungleichheit, wirtschaftliche Unsicherheiten sowie steigende psychische Belastungen prägen den Übergang von Schule in Ausbildung und Beruf. Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, ob bestehende Konzepte und Angebote der Berufsbezogenen Jugendhilfe den aktuellen Bedarfen junger Menschen noch ausreichend entsprechen.
Hier setzt das Forschungsprojekt „Was braucht Jugend?“ an.
Ziel des Forschungsprojekts
Das Projekt untersucht, wie junge Menschen ihre Lebenslagen, Unterstützungsbedarfe und Erfahrungen mit Angeboten der Berufsbezogenen Jugendhilfe wahrnehmen.
Im Mittelpunkt stehen drei zentrale Zielrichtungen:
- Bedarfe junger Menschen sichtbar machen
Die subjektiven Perspektiven junger Menschen werden systematisch erhoben. Dabei wird untersucht, inwiefern bestehende Angebote der BBJH als hilfreich erlebt werden und wo aus Sicht der Jugendlichen Lücken oder Zugangsbarrieren bestehen. - Gesellschaftliche Veränderungen reflektieren
Das Projekt analysiert, wie aktuelle gesellschaftliche Entwicklungen – etwa im Bereich Digitalisierung, psychische Gesundheit, Migration oder Bildungsungleichheit – die Lebensrealitäten junger Menschen verändern und welche Anforderungen sich daraus für die Jugendsozialarbeit ergeben. - Impulse für die Weiterentwicklung der BBJH entwickeln
Auf Grundlage der Forschungsergebnisse werden Handlungsempfehlungen für Fachpraxis, Träger, Fördermittelgeber und Politik erarbeitet. Ziel ist eine konzeptionelle Weiterentwicklung der Berufsbezogenen Jugendhilfe, die sich stärker an den tatsächlichen Bedarfen junger Menschen orientiert.
Partizipative Forschung: Junge Menschen als Mitforschende
Ein zentrales Merkmal des Projekts ist der partizipative Forschungsansatz. Junge Menschen werden nicht nur befragt, sondern aktiv in den Forschungsprozess einbezogen.
Dafür werden Jugendliche zu Peer-Forscher*innen qualifiziert. In begleitenden Schulungen erwerben sie grundlegende Kenntnisse qualitativer Sozialforschung, insbesondere zur Durchführung von Interviews und zur Auswertung von Gesprächen. Anschließend führen sie selbst Interviews mit anderen jungen Menschen – sowohl innerhalb als auch außerhalb der Berufsbezogenen Jugendhilfe.
Dieser Ansatz verfolgt zwei zentrale Ziele:
- Junge Menschen erleben Selbstwirksamkeit durch aktive Beteiligung am Forschungsprozess.
- Interviews zwischen Jugendlichen ermöglichen häufig offenere Gespräche und authentischere Einblicke in Lebenslagen und Erfahrungen.
Die Perspektiven junger Menschen fließen damit nicht nur in die Datenerhebung, sondern auch in die Interpretation der Ergebnisse und die Entwicklung von Empfehlungen ein.
Methodisches Vorgehen
Das Forschungsprojekt kombiniert mehrere qualitative und partizipative Methoden. Zu den zentralen Bausteinen gehören:
- Qualitative Interviews mit jungen Menschen innerhalb und außerhalb der BBJH
- Schulung und Begleitung junger Peer-Forscher*innen
- Fokusgruppen mit Fachkräften und Trägervertretungen
- Gemeinsame Auswertung und Interpretation der Ergebnisse
- Entwicklung von Empfehlungen zur Weiterentwicklung der Berufsbezogenen Jugendhilfe
Wissenschaftliche Begleitung
Die wissenschaftliche Konzeption und Durchführung des Forschungsprojekts erfolgt durch Prof. Dr. Franz Schultheis (Zeppelin Universität Friedrichshafen) und sein Forschungsteam.
Die ejsa Bayern e. V. begleitet das Projekt eng und bringt ihre fachliche Expertise aus der Praxis der Berufsbezogenen Jugendhilfe ein.
Ergebnisse und Transfer
Die Ergebnisse des Projekts werden in einem praxisorientierten Abschlussdokument aufbereitet. Dieses soll Impulse für die fachliche Weiterentwicklung der Berufsbezogenen Jugendhilfe geben und als Grundlage für fachpolitische Diskussionen dienen.
Ziel ist es, die Perspektiven junger Menschen stärker in die Gestaltung von Unterstützungsangeboten einzubeziehen und damit zur Weiterentwicklung der Berufsbezogenen Jugendhilfe in Bayern beizutragen.
