Geschichte begreifen, Gegenwart gestalten: Seminartage zum Thema „Leben im Nationalsozialismus“

Was bedeutet es, wenn Ausgrenzung schleichend zum System wird? Und welche Verantwortung erwächst daraus für uns im Hier und Jetzt? Mit diesen zentralen Fragen beschäftigte sich eine Gruppe Freiwilligendienstleistender während eines zweitägigen Seminars der Freiwilligen Sozialen Dienste zum Thema „Leben im Nationalsozialismus“.

Von Biographien zur Systematik

Der erste Seminartag widmete sich der persönlichen Ebene. Anhand verschiedener Einzelschicksale von Menschen aus verfolgten Opfergruppen erhielten die Teilnehmenden einen tiefen Einblick in die Vielfalt der Lebensentwürfe, die durch das NS-Regime zerstört wurden. Doch es blieb nicht bei der Betrachtung von Einzelfällen: Durch die Arbeit an einem gemeinsamen Zeitstrahl wurde deutlich, wie die Nationalsozialisten Diskriminierung systematisch organisierten. Schritt für Schritt – von den ersten Einschränkungen bis zur totalen Entrechtung – konnten die Freiwilligen nachvollziehen, mit welcher Geschwindigkeit und Grausamkeit die Ausgrenzungsmechanismen in der Gesellschaft verankert wurden.

Ein Ort des Gedenkens: Flossenbürg

Am zweiten Tag folgte die Auseinandersetzung mit dem Thema durch einen Besuch der KZ-Gedenkstätte Flossenbürg. Nach dem geführten Rundgang über das Areal konnten die Teilnehmenden ihr Wissen über die Lebensbedingungen im Lager und die Strukturen des Terrors in einem Begleitworkshop vertiefen. Die Präsenz des Ortes hinterließ bei allen einen bleibenden Eindruck und verdeutlichte das Ausmaß des Leids, das direkt vor unserer Haustür stattfand.

Was geht uns das heute an?

Zum Abschluss schlugen wir die Brücke in die Gegenwart. In einer engagierten Diskussionsrunde reflektierten die Freiwilligen aktuelle gesellschaftliche Fragestellungen:

  • Wo erleben wir heute Ausgrenzung?
  • Wie erkennen wir antidemokratische Tendenzen frühzeitig?
  • Was können wir als Individuen für eine offene Gesellschaft tun?

Diese zwei Tage haben gezeigt: Geschichte ist kein abgeschlossenes Kapitel. Sie ist der Spiegel, in den wir schauen müssen, um unsere heutige Demokratie aktiv und wachsam zu verteidigen.

Anna Richards
Gesellschaftspolitische Jugendbildung (ejn & ejsa Bayern e.V.)