Wie wurde aus einer demokratischen Republik eine Diktatur? Welche Rolle spielte die Jugend im Nationalsozialismus und was hat das alles eigentlich mit unserem Leben im Hier und Jetzt zu tun? Mit diesen Fragen im Gepäck reisten junge Menschen aus Hof für eine Seminarfahrt nach Nürnberg – eine Stadt, deren Geschichte wie kaum eine andere mit den Kulissen der NS-Machtinszenierung verknüpft ist.
Vom Stadtbild in die Biografie
Der Montag startete direkt mit einer Spurensuche im Stadtraum. Beim Stadtrundgang „Nürnberg unterm Hakenkreuz“ wurde deutlich, dass Geschichte nicht nur in Schulbüchern stattfindet, sondern direkt vor unseren Füßen liegt. Die historischen Orte machten das Unbegreifliche greifbar.
Am Dienstag wechselten die Teilnehmenden vom Entdecken in einen gemeinsamen Austausch. Der interaktive Workshoptag bot Raum, um tiefer einzusteigen. Nach einem dynamischen Warm-up, dem „Gerüchtebarometer“, das das vorhandene Vorwissen aktivierte, ging es an den Kern der Sache: Die Übung „Propaganda und Jugend im NS-Staat“ regte dazu an, die Lebenswelten von Jugendlichen damals und heute kritisch miteinander zu vergleichen. Wie manipulierbar sind wir heute durch soziale Medien? Wo fängt Propaganda an?
Besonders eindrücklich wurde es bei der Beschäftigung mit konkreten Biografien. Unter dem Motto „Täter, Mitläufer, Widerstand“ erarbeiteten die Jugendlichen anhand von unterschiedlichen Biografien, dass Geschichte kein vorgegebenes Schicksal ist, sondern aus den ganz persönlichen Entscheidungen echter Menschen bestand – voller Handlungsspielräume, Mut oder eben dem Wegsehen.
Was geht mich das heute an?
Der wichtigste Teil politischer Bildung ist der Transfer in die Gegenwart. In einer Abschlussrunde diskutierte die Klasse über die Frage: „Was geht mich das heute an?“. Im Fazit wurde deutlich: Verantwortung für die Demokratie beginnt im Kleinen – beim Aufstehen gegen Diskriminierung im Alltag und beim kritischen Hinterfragen von Informationen.
Nach so viel intensivem Nachdenken und Diskutieren durfte auch das Gemeinschaftsgefühl nicht zu kurz kommen. Bei einem entspannten gemeinsamen Pizzaessen ließen die Jugendlichen den Tag ausklingen. Eine gelungene Seminarfahrt, die zeigt: Erinnerungsarbeit ist nicht nur ein Blick zurück, sondern das Fundament für eine wache, demokratische Zukunft.
