Berlin erleben: Berufsschüler*innen diskutieren Solidarität und Identität

Berlin ist weit mehr als Fernsehturm und Brandenburger Tor – das erlebte eine Gruppe von Berufsschüler*innen der Fachakademie für Versorgung und Ernährung der B7 in Nürnberg vor Kurzem auf einer viertägigen Seminarfahrt der Gesellschaftspolitische Jugendbildung. Abseits der klassischen Pfade tauchten die Teilnehmenden tief in das echte Berliner Kiezleben ein. Im Zentrum standen dabei zwei der drängendsten Fragen unserer Zeit: Wer sind wir und in was für einer Gesellschaft wollen wir eigentlich leben?

Selbstorganisation, die durch den Magen geht

Der Startschuss fiel im Zeichen der Solidarität. Beim Besuch eines lokalen Stadtteilladens ging es nicht um Profit, sondern um Gemeinschaft auf Augenhöhe. Die Gruppe organisierte eine „Küche für Alle“ (KüfA). Beim gemeinsamen Schnippeln und Kochen diskutierten die Jugendlichen den politischen Kern des Projekts: Wie funktioniert Selbstorganisation im Kiez? Wie können wir uns gegenseitig unterstützen, wenn staatliche Strukturen fehlen? Die Praxis zeigte den Teilnehmenden eindrücklich, was soziale Gerechtigkeit und das Recht auf Stadt konkret bedeuten.

Identität auf dem Prüfstand

Ein weiterer Höhepunkt führte die Gruppe ins renommierte Maxim Gorki Theater. Nach einer intensiven Vorbereitung in einem exklusiven Workshop sahen die Berufsschüler*innen die Inszenierung „In my room“. Das Stück, das sich intensiv mit Vätern, Söhnen und dem Erbe männlicher Identitäten auseinandersetzt, regte zu tiefen Diskussionen an. Die Teilnehmenden hinterfragten klassische Rollenbilder und setzten sich kritisch damit auseinander, wie Herkunft, Geschlecht und gesellschaftliche Erwartungen das eigene Innerste als auch ihre Lebenswelten prägen.

Vom Input zum eigenen Handeln

Im großen Abschlussworkshop nach vier intensiven Tagen zogen die Teilnehmenden Bilanz. Was hat wütend gemacht? Was hat inspiriert? Die Reflexion zeigte: Die Reise hat Spuren hinterlassen. Die Teilnehmenden fuhren nicht nur mit neuen Eindrücken nach Hause, sondern auch dem Vorhaben, das Erfahrene in ihren eigenen Alltag – ob im Betrieb, in der Berufsschule oder im eigenen Stadtteil – zu tragen und dort selbst aktiv werden zu können.

 

Anna Richards
Gesellschaftspolitische Jugendbildung, ejn & ejsa Bayern e.V.